Tessin


Reise-Tipp 1: Delta Beach Lounge in Ascona pic.twitter.com/ATtkahTn

Reise-Tipp 2: kuschliges, herziges BnB ’nevedane16′ in Brisago  pic.twitter.com/5ixvgDdH

Reise-Tipp 3: ganz nett, auch mit Livekonzerten direkt am Lago Maggiore @Porto Ronco Beach Club pic.twitter.com/0DdOu0mI

Reise-Tipp 4: Osteria Grotto Borei, super Essen, traumhafte Aussicht in Piodina TI  pic.twitter.com/aEeEeSpk

Toskana


Reise-Tipp 1: Osteria Belle Donne, klein aber fein, guter Hauswein in Florenz  pic.twitter.com/QTJTPELc

Reise-Tipp 2: BnB Relais modern in Florenz, schöne moderne Zimmer, zentral!, nicht günstig aber perfekt und was nicht fehlen darf… pic.twitter.com/7EkiPXj7

Reise-Tipp 3: Sonnenuntergang über den Dächern fast alleine im Palazzo Vecchio (Florenz) pic.twitter.com/lRRamDvq

Reise-Tipp 4: Fahrt durch das Chianti-Gebiet. So was von schön und fein😉.  pic.twitter.com/1PzAkV8V

Reise-Tipp 5: lasaracina.it – Paradies auf Erden, fast unbezahlbar aber unbeschreiblich schön (Montepulciano).

Reise-Tipp 6: Der Vino nobile di Montepulciano von Villa s Anna 2007 ist sehr fein. pic.twitter.com/XiNN4Syr

Reise-Tipp 7: Ristorante Enoteca Godimento Divino in Moltepulciano ist sehr empfehlenswert. pic.twitter.com/DqjCiMNx

Reise-Tipp 8: Selbstgemachte Pasta in Vollendung @LatteDiLuna in #Pienza. Reservation zwingend. pic.twitter.com/3fOKlhUp

Reise-Tipp 9: Wine tasting in Montalcino nicht ganz günstig, aber sehr geschmackvoll.

Absoluter Hammer-Reise-Tipp 10: Tour, Lunch, Degustation @avignonesi feines Essen und Spitzenweine. pic.twitter.com/pNrLnFsZ

Insider Reise-Tipp 11: Osteria La Botte Piena in Montefollonico. Passion und Leidenschaft pur! pic.twitter.com/trAeuh7I

Bangladesch Tag 9


Der letzte ganze Tag in Bangladesch. Gehe noch kurz zu Alain und Kevin. Sie haben wieder schichtweise gearbeitet. Wir haben vereinbart, dass sie heute uns nicht begleiten und dafür im Hotel arbeiten und die fehlenden Spots noch produzieren. Der dritte ist übrigens auch ganz gut geworden – gefällt mir. Habt ihr schon einen gesehen? Euer ehrliches Feedback würde mich sehr interessieren. Schreibt mir doch: m.suess@worldvision.ch.

Dann bleibt nicht mehr viel Zeit. Ein halber Kaffee muss heute reichen. Warum? Weiterlesen… Wir müssen pünktlich im Office ankommen und das ist bei diesen Verkehrs-Verhältnissen nicht ganz planbar. Schliesslich stehen wir jetzt – wie üblich bei der Heimfahrt bereits wieder im Stau. Heute könnte es einen neuen Rekord geben. Aber was soll’s. Es läuft aber gut und wir haben sogar noch Zeit uns kurz zu verpflegen – inklusive Kaffee J. Dann geht’s los.

Wir besuchen die offizielle Eröffnung des Gesundheitszentrums, welches wir bereits am Donnerstag inspiziert hatten. Da dieses Zentrum durch World Vision Schweiz ermöglicht wurde, sind wir Ehrengäste. Wir werden wieder mit Blumenregen empfangen. Die Leute haben ganz viel Freude – auch an uns. Dann kommt der grosse Moment. Ich darf das Band durchschneiden und als erster das neu eingeweihte Center betreten. Ein schöner Moment – nicht wegen des Aktes – sondern wegen der Freude der Menschen. Die CBO-Präsidentin, unser ADP-Manager und auch Andreas sowie Clemens halten eine kurze Ansprache. Ich spreche dann auch noch. Von Sandy habe ich, wie die anderen auch, ein Ballon-Herz erhalten. Das kommt nun zu seinem offiziellen Einsatz. Die Botschaft: Was haben Bangaleshi und Schweizer gemeinsam? Wir alle haben ein Herz, ein Herz das verbindet, das zusammenschweisst, ein Herz aber auch für eine bessere Welt für Kinder. Das orangene Herz zeigt seine Wirkung. Danke Sandy. Anschliessend tanzen und singen Kinder. Sehr schön.

Eröffnung des Gesundhetszentrums

Dann bekommen wir wieder Kokosnuss und ein kleines Gebäck (schmeckt wie Frühlingsrolle – super fein) und etwas Süsses aus Weizen, Wasser und Zucker. Geschenke werden überreicht. Diese wurden von Mitgliedern der CBO selber produziert. Über Geschmack lässt sich streiten. Aber das Herz zählt. Später erfahren wir, dass die Besucher an unseren Speechs grosse Freude hatten. Ich sah das in den Augen, wurde aber bestätigt. Schön. Konnten wir etwas zurückgeben, was wir an Liebe, Respekt und Offenheit erfahren hatten.

Es geht dann weiter. Wir besuchen eine Familie, welche von World Vision vor Jahren ca. CHF 4’000.00 für Wirtschaftsförderung erhalten hat. Sie kaufte damit 4 Kühe und besuchte Kurse zur Haltung von diesen (durchgeführt von World Vision). Mittlerweile ist sie erfolgreiche Unternehmerin, eigenständig und konnte auch diverse Verbesserungen an ihrem Haus vornehmen. Sie ist auch Mitglied eines Steering-Committee einer CBO.

Wir bekommen wieder Kokosnüsse von einer von World Vision zur Verfügung gestellter Pflanze zwecks Nahrungsergänzung. Die Klettern echt mit riesigen Messern auf die Palmen rauf, schneiden die Kokosnüsse ab und klettern wieder runter. Schon wieder was gelernt. Ist übrigens eine ganz herzige Familie mit 4 Töchtern.

Später besuchen wir Hajera. Sie produziert Kiloweise Papiertaschen von Hand. Kauft Altpapier und verarbeitet dies. Ihr Business funktioniere sehr gut, sagt sie. Ergänzend bedruckt sie Stoffe und fertigt Kleider an. Auch sie ist Mitglied einer CBO. Ihr Erfolg gründet auf der Vergabe eines Kredites durch eine CBO, wo sie Mitglied wurde. Erst so konnte Sie grössere Mengen Papier einkaufen und den Erlös steigern. Immer wieder diese CBO’s.

Im Projekt Narayanganj gibt es total 5 verschiedene CBOs. Mitglieder sind nur Frauen, da die Männer sonst arbeiten und die Lebensgrundlage verdienen. Alles was dadurch dazukommt ist zusätzlich und es gefährdet beim Ausbleiben des Erfolges nicht die Existenz. Die CBOs prüfen genau, an wem Kredite vergeben werden. Momentan sind mehr als 4200 Mitglieder registriert. Aus diesen 5 CBOs sind mehr als 900 Kleinunternehmungen entstanden. Jede einzelne mit einer Story dahinter.

Anschliessend fahren wir zurück. Es gibt den letzten Lunch im Office. Anschliessend ein Debriefing mit dem ganzen Staff und auch unserem Bewacher vom Goverment. Es gibt nur positives Feedback. Alle sind happy. Wir auch. Es war eine gute Zeit. Ich werde sie nicht vergessen – auch nicht die Stunden im Stau – auch heute wieder. Wir verabschieden uns im ADP und später auch von Prince. Er ist dank Clemens jetzt auch mit dem Social Media Virus infiziert. Ein guter Virus – manchmal auch gefährlich…

Das war der letzte Tag. Noch einmal schlafen und es geht zurück nach Hause. Würde mich freuen, wenn ihr auch noch den letzten Teil lesen würdet.

Bis bald. Danke für’s Lesen, miteifern, mitleiden, mitfühlen. Ich bin an vielen Erfahrungen reicher geworden. Danke allen bereits jetzt die mich unterstützt haben – ganz besonders meiner Frau Alexandra.

Bangladesch Tag 8


Zuerst noch ein Nachtrag zu gestern:

Gestern konnten wir den Verantwortlichen vor Ort – Prince – überzeugen, dass er für uns noch Bier organisiert. Ich war so müde, das hatte ich ganz vergessen. Alkohol ist verboten in Bangladesh – aber, lustigerweise, wenn Du eine Bewilligung hast (jährlich ca. CHF 40.00) darfst Du Alkohol kaufen J. So geht das. Wir fahren also auf dem Weg in eine Bar, da es, wegen des Verbotes, ja keine Verkaufsläden gibt. Diese ist a) unauffällig, b) dunkel (fast kein Licht innen), c) stinkig, d) ohne Musik, e) nur von Männern besucht. Und dann dürfen/müssen wir Heineken bestellen…

Jetzt aber wie zu anderen Themen. Der Tag beginnt speziell. Es heisst Abschied nehmen. Ich bin müde. Eigentlich wollte ich wirklich früher aufstehen. So wird es knapp. Schnell runter, halbe Tasse Kaffee (für mehr reicht’s leider nicht – muss aber sein) und dann verabschieden. Umarmung, Küsschen und schon sind David, Roshani und Sandy weg zum Flughafen. Wir schauen uns die Spots an die Kevin und Alain in der Nacht auf heute schichtweise gemacht haben. Zuerst französisch, dann die deutsche Version. Wow, man sieht es Sandy an. Sie war auch müde. Wir kennen uns alle bereits so gut. Diese intensive Zeit verbindet uns alle. Das werden wir nie vergessen. Der Spot ist gut – nicht ganz so, wie der erste. Das war aber auch ein Wurf. Ich bin happy und Kevin/Alain schon im Dilirium.

Der erste TV-Spot

Kevin kommt heute alleine mit, damit Alain mal zwischendurch sich erholen und an weiteren Spots arbeiten kann. Wir kommen mit einiger Verspätung im ADP an. Heute besuchen wir Projekte zum Thema Wasser und Hygiene. Wir besuchen Barirtak ein Village in Dhaka. Die Projekte sind hier schon ziemlich weit fortgeschritten. Jede Familie hat dank World Vision eine Latrine erhalten, Brunnen wurden gebaut und Filter bei Familien installiert, damit das Wasser gereinigt werden kann. Vorher hatten die Familien das Wasser im Fluss Shitolakhya geholt, welcher extrem verschutzt ist und das Wasser daher eigentlich ungeniessbar. Die Familien sind sehr dankbar. Sie werden auch im Bereich Hygiene geschult, wie zum Beispiel Händewaschen. körperliche Hygiene etc.

  Bild: Latrine

Die Familie ist ganz herzig und ganz viele Nachbarn sind auch gekommen. Sie erzählen von ihren Erlebnissen, wie froh sie sind, wie dankbar – herzlich und aufrichtig. Sie zeigen uns noch einen grossen Dorfbrunnen mit über 12 Metter tiefer Bohrung. Noch mehr Kinder und Erwachsene kommen vorbei. Ich bin müde und trotzdem ist es so schön. Ein Patenkind holt ein Foto seiner Paten in der Schweiz. So herzig.

Wir gehen dann zum Fluss. Für uns unvorstellbar, dass man hier Wasser holen konnte und dann erst noch trinken…  Andreas nimmt Sand vom Flussbett und lässt es wieder zurück. Das Wasser ist braun und Andreas Hände stinken richtig. Auf dem Rückweg gibt’s noch eine Uberraschung. Wir werden zu einem Kokosnuss-Saft eingeladen. Nicht so spektakulär? OK. 1. Die Kokosnüsse hier sind grün. 2. mit einem Mordmesser köpfen, 3. Kleine Öffnung rein, 4. Trinken. Das sieht so aus (mein Kollege Clemens):

 

  (Das ist aber nicht Clemens)

Das hat Spass gemacht und war richtig fein. Ach übringens die Palme von der die Kokosnüsse stammen, ist mindestens 30 Meter hoch. Wie kommen die runter? Keine Ahnung. Vermutlich klettern die hoch. Dann geht’s definitiv zurück ins Office zum Lunchen. Das Rindfleisch ist heute eine Klasse für sich. Sensation! Muss noch nach dem Rezept fragen.

Das werden bestimmt nicht alle verstehen. Wir machen eine Bootsfahrt auf dem Shitolakhya. Nein keine Spendengelder -> Sponsor Weltbild. Wir danken schon mal herzlich. Die Boote sind eindrücklich, robust und alt. Das tut gut. Mal ein wenig entspannen. Aber nicht nur das. Wir sehen das ganze noch aus einer anderen Perspektive und auch die harte Realität. In Gebieten wo World Vision noch nicht tätig ist, wird immer noch im Fluss die Kleider gewaschen und Trinkwasser geholt. WCs führen teilweise auch noch direkt in den Fluss.

Die Müdigkeit überkommt mich auch hier. Ist aber OK. Der Durchschnitt der Anzahl geschlafenen Stunden liegt kaum über 4 Stunden. Ich will mich auch nicht beschweren. Ich habe soviel erlebt und will auch darüber berichten. Ihr sollt wissen, wie es ist, wie schlimm, wie schön, wie einmalig, wie grausam, wie herzlich. Und es ist auch mein Job. Ich habe mich dazu verpflichtet. Es ist aber eine Herzensangelegenheit – das macht sonst keiner einfach so mit und schon gar nicht wegen des Geldes. Bei einer Bank verdient man das doppelte, kann aber auch keine Lebenssituationen verbessern. Wir tun dies und wollen das auch in Zukunft tun. Darum diese Kampagne. Ganz einfach.

Bangladesch Tag 7


Nach 1 Uhr in der Nacht, haben Kevin und Alain die Statements bereit für die deutsche und französische Variante. David ist auch noch dabei. Die französische Variante ist wirklich gut. Wow ist das Französischs eine schöne Sprache. Bei der deutschen Variante gibt’s noch kleinere Anpassungen. Ich bin aber sehr zufrieden. Sehr gut kommt das. Um 4.30 weckt mich Kevin zur Spotabnahme. Der 1. Spot, der erste richtige. Obwohl ich erst nach 2 Uhr das Licht gelöscht habe, bin ich einigermassen fit. Alain ist voll bei der Sache und beschäftigt sich noch mit den letzten Details der französischen Variante. Ich bin sehr gespannt und werde echt nicht enttäuscht. Die Bilder sind super, die Musik auch und die Texte passen – ein guter erster Spot, vor allem wenn man berücksichtigt, wie dieser entstanden ist. So gebe ich ihn frei. Die Internet-Verbindung ist zwar langsam, die Übermittlung klappt jedoch einwandfrei.

Danach kann ich kaum mehr einschlafen. Bin etwas nervös J. Wie kommt die ganze Geschichte an? Können die hoch gesteckten Ziele erreicht werden? Auf jeden Fall ist um 6. 15 Tagwache und die – hier in Dhaka übrigens warme – Dusche sollte auch heute nicht fehlen. Heute bin ich wieder mit dem richtigen Bein aufgestanden. Schon etwas müde, aber der Motor läuft wieder. Wir gehen frühstücken und fahren mit einiger Verspätung ab. Schlussendlich sind wir – dank dem Stau über 1 Stund zu spät – was sich noch rächen wird. Heute geht es um’s Thema Gesundheit. Wir besuchen eine Gesundheitsstation in Bognagar. Diese wurde neu erstellt. Das Land wurde durch eine CBO (wisst ihr noch was das ist? Community based organisation = so eine Art Genossenschaft) finanziert, der Bau durch World Vision.  In diesem Gesundheitszentrum werden medizinische Untersuchungen von (schwangeren) Müttern und von Kindern, bekämpft Kinderkrankheiten (Impfungen) oder klärt in Bezug auf HIV/Aids auf. Diese alles dank der Unterstützung von World Vision. Wir können dabei sein, wenn der Arzt Untersuchungen macht und sind begeistert, wie er mit den Patienten umgeht – menschlich und einfühlsam. Wir unterhalten auch die wartenden Mütter, fragen zuerst, auch sie fragen über unsere Kultur und schlussendlich geben wir noch ‚es Buurebüebli man nid…’ zum Besten. Zuerst alleine, dann mit vielen Kindern. Die Explorer verteilen schlussendlich noch Geschenke. Die Kinderaugen leuchten. Wir haben noch mehr Verspätung und besuchen nochmals ein ähnliches Ernährungsprojekt wie schon in Mymensingh. Mütter lernen ausgewogener Kochen und bekommen auch zusätzliche Informationen über Frauenthemen und Hygiene. Die Mütter sind sehr offen und herzlich. Es hat auch viele Kinder Wir können wieder beim Kochen helfen und spielen lange mit den Kindern. Die sind absolut ausser sich. So schön zu sehen. Echt super. Die Filmcrew verlässt uns dann und wir essen noch mit den Müttern. Mega fein mit etwas Schärfe (wieder eine Art Gemüserisotto). Mmmmmmh – echt fein. Dann fahren wir wieder zurück. Wir müssen einen Programmpunkt ganz streichen und sind wieder zur gleichen Zeit unterwegs, was bedeutet, dass wir wieder mit dem Stau das Vergnügen haben. Ich habe aber gelernt und schreibe den Blogbericht im Auto. Wir kommen wohl um 19 Uhr an. Heute heisst es noch Abschied nehmen von Andreas, Roshi und Sandy.

Wir hatten wirklich eine gute Zeit zusammen und waren eine tolle Gruppe. Ich danke Euch hier bereits einmal. Dieser Tripp wird uns wohl allen in Erinnerung bleiben. Wir haben soviel erlebt und ich hoffe, ihr konntet euch auch ungefähr ein Bild davon machen. Danke hier auch mal dem Reisesponsor ‚Weltbild’ für die grosszügige Unterstützung, der GL von World Vision, welche für diese Kampagne grünes Licht gegeben hat und allen, die uns tatkräftig unterstützt haben.

Noch ist es aber nicht vorbei, wir werden noch einiges erleben. Für heute ist’s aber genug.

 

 

Bangladesch Tag 6


Ganz ehrlich: es war ein schwieriger Tag. Aus verschiedenen Gründen. Gestern bekamen wir die Hiobsbotschaft, dass unser Freund und Arbeitskollege Lutz bei Ankunft in Bangladesch die Nachricht bekam, dass er aus familiären Gründen sofort wieder nach Hause reisen sollte. Wir waren betroffen. So mussten wir uns heute morgen nicht nur von David Schwytter, sondern auch wieder von Lutz verabschieden. Wir wünschen auf diesem Weg nur das Beste von ganzem Herzen.

Es war eine kurze Nacht für alle. Erst nach 2 Uhr Bettruhe und um 7 Uhr bereits wieder Abfahrt. Es ging nicht nur mir so. Langsam merken wir, dass eine Müdigkeit sich breit macht. Nicht nur wegen des Schlafmankos, sondern auch, weil wir soviel erlebt haben, so viele einmalige Eindrücke gesammelt haben, so viele Emotionen auf ein Mal. Es ist schwierig, das alles auf einmal zu verarbeiten.

Auch die langen Autofahrten setzen zu. Heute geht’s hin zwar nur eine gute Stunde. Wir besuchen das ADP Narayanganj in Dhaka, wo ca. 90’000 Menschen leben. Die Schwerpunkte sind auch hier Bildung, Gesundheit/Ernährung, Wirtschaftsentwicklung sowie Wasser/Hygiene.

Wir haben etwas Mühe mit der Umstellung. Gestern noch in üppiger Natur – heute in stinkenden Slums von Dhaka. Wie Tag und Nacht. Enge Gassen,  herumliegender Abfall,  Flickwerke von Unterkünften… Auch die Leute sind nicht mehr ganz so herzlich und liebevoll wie vorhin. Aber vielleicht ist es auch nur, weil wir wirklich müde werden. Wir werden im Office empfangen. Wie immer sind wir Teil einer Devotion, dann Vorstellungsrunde, Informationen über die Entwicklungsprojekte und schlussendlich noch ein kleines Frühstück.

Dann geht’s los. Wir besuchen eine Schule, welche von Worldvision gebaut wurde. World Vision ermöglicht hier auch Zusatzkurse an schulfreien Nachmittagen. Der Unterichtsinhalt ist beispielsweise Konfliktbewältigung, Aufklärung über Rechte und Pflichten von Kindern, Ernährung, richtiges Auftreten/Verhalten in der Öffentlichkeit, aber auch Themen wie HIV/Aids, frühe Hochzeit, Umwelt etc.

Als wir das Schulzimmer betreten, herrscht Aufregung. Die Kinder freuen sich richtig. Zuerst aber der ernste Part. Wir können einzeln mit Schüler sprechen. Wir merken rasch, diese Kurse bringen wirklich was. Die Kinder haben Ideen, Visionen, wissen was sie möchten und was nicht.

Kleiner Exkurs: Bangladesch leidet unter anderem an der Überbevölkerung – dies vor allem, weil viele Männer Frauen schwängern und dann weiterziehen. Unzählige Männer haben diverse Kinder, kümmern sich auch nicht um diese. Ein weiteres Problem ist, dass viele Bangladeshi denken, in der grossen Stadt mit den vielen Textilfabriken Arbeit zu finden und schlussendlich in den Slums landen. World Vision arbeitet darum stark in den ländlichen Gebieten, um dies zu verhindern und mit Zusatzkursen um Kinder und Jugendliche aufzuklären, was die Probleme des Landes sind und wie sie diese beeinflussen können. Was sie dürfen und was nicht. Wie sie aufzutreten haben und was die Rechte sind. Wir alle sind überzeugt, dass dies hier ein guter Anfang ist.

Etwas Spass muss auch nicht sein. Wir bringen die Kinder noch zum lachen. Auch wir haben unsere Freude. Dann besuchen wir zwei Familien. Es ist krass, wie diese Leute leben: auf wirklich engstem Raum, in dunklen Räumen, oft nur sehr wenige Quadratmeter, ohne fliessend Wasser. Es ist schwierig ins Gespräch zu kommen. Die Familien sind ängstlich und zurückhaltend – nicht mehr so gastfreundlich und offen. Das macht es etwas schwierig. Wir sind wieder die Attraktion. Ich kann heute nicht so damit umgehen. Es geht mir Nahe, wie diese Leute leben müssen – auch mit Hilfe von World Vision. Es gibt viele gute Projekte, die greifen aber erst langfristig (nicht alle – mehr dazu in den kommenden Tagen). So viele Leute auf engstem Raum, das ist für mich zuviel. Es geht glaube ich nicht nur mir so. Leider sind auch die Übersetzer überfordert und tragen auch noch dazu bei, dass wir heute nicht die gleich positiven Eindrücke mit nach Hause nehmen. Trotz allem, die gesehen Projekte funktionieren.

Wir fahren dann zurück zum Office und es gibt Lunch. Zum wiederholten Male (eigentlich alle Mittagsmenu) gibt es das gleiche. Bitte Alex, die nächste Woche kein Reis. DANKE. Wir essen immer noch alles – ohne Ausnamen J. Wir haben Verspätung und beschliessen, das vorgesehene Projekt nicht mehr zu besichtigen. Leider müssen wir aber noch auf den offiziellen Begleiter warten (er ist von der Regierung und begleitet uns auf Schritt und Tritt…), der zusammen mit dem Manager noch zur örtlichen Polizei gehen musste. Ohne ihn dürfen wir nicht abfahren. Wir brauchen noch eine zusätzliche Bewilligung, dass wir am Freitag und Samstag filmen dürfen. Schlussendlich um halb fünf kommt die Crew wieder – immerhin mit der Bewilligung. 1 Stunde später als erwartet. Darum kommen wir in den Feierabendverkehr und sind erst gegen 19 Uhr im Hotel.

Wir besprechen noch den Tag, da wir heute zum ersten Mal mit der Filmcrew (Alain und Kevin) die Projekte besuchten. Es war trotz allem ein guter, aber schwieriger Tag. Noch ist er nicht fertig. Da Lutz nicht mehr da ist, fliege ich erst am Sonntag zurück und habe seitens World Vision auch noch die Verantwortung über die Inhalte, Regie und Produktion. Das heisst auch, dass ich in der Nacht noch die ersten Spots von vor Ort absegnen darf. Ich freue mich darauf. Die Aufnahmen der Statements sind gut geworden. Wir sind auf gutem Weg. Ich bin wirklich gespannt.

 

Bangladesch Tag 5


Der Ablauf am morgen ist immer gleich – egal wo – auf jeden Fall in Bangladesch: Aufstehen, wobei wir heute auf die Dusche verzichtet haben (haben gestern gegen Abend bereits und uns nicht nur Freunde gemacht – wir mussten ja plötzlich die Kofferpacken und wir haben noch rasch geduscht, obwohl eigentlich keine Zeit war. Schlussendlich kam es aber auch nicht mehr darauf an – auf jeden Fall waren die Ladies pflichtbewusster…). Ach ja die Dusche – bei Benützung wäre das ganze Badezimmer samt WC und Brüneli nass geworden. Muss nicht sein. Schon gar nicht am Morgen. Der Kaffee rief aber auch besonders stark nach dieser kurzen Nacht. Wir wurden zum ersten und wohl auch letzten Mal von zum Teil unbekannten Tiergeräuschen. Das war echt schön mal nicht von Autogehupe geweckt zu werden. Vielleicht merkt ihr es, ich habe gerade richtig viel Zeit den Tag Revue passieren zu lassen. Wir sind auf der langen und halsbrecherischen Fahrt zurück nach Dhaka. Mindestens 4 Stunden. Da versuche ich lieber in den Notebook zu schauen, als nach vorne. Aber jetzt zurück zum Ablauf: aufstehen, frühstücken, Devotion, Vorstellungsrunde. Esse heute nur Früchte. Das hat auch seinen Grund. Es gibt feldfrische kleine Bananen (üblich), süsse Ananas und Papayas. Besser könnte es nicht sein.

Heute erfahren wir mehr über das Thema Landwirtschaft. Wir fahren los und zu unserer Überraschung sind wir relativ rasch am ersten Ziel. Hier werden Pilze gezüchtet (gute Nährwerte) und später weiterverarbeitet. Das ist sehr innovativ und die Pilze sind noch relativ unbekannt, weshalb der Absatz schwierig ist. Da frag ich mich, warum man fdies nicht zuerst abklärt, bevor man mit der Produktion beginnt. Na ja, es ist nicht weiter schlimm, da sehr wenig investiert wurde und was noch nicht ist, noch kommen kann. Was mir gefallen hat, ist dass man weiterdenkt und immer wieder Fortschritte sucht.

Weiter geht’s durch wunderschöne Landschaften. Leider enden irgendwann die eingermassen guten Strassen. Wir werden dann bestimmt 45 Minuten richtiggehend durchgeschüttelt. Es ist aber so schön aus dem Fenster zu schauen. Die Idylle wird von einigen Dörfern unterbrochen, wo man die Probleme sieht, die Armut – schwarz auf weiss. Wir sehen hektarengrosse Ananas-Plantagen, Palmen, Reisfelder etc, bevor wir bei einer Landwirtschaftsschule in Subokehona anhalten. Wir werden wieder mit Gesang und Tanz erwartet.  Immer noch beeindruckend und sehr schön. Dann gibt’s eine kurze Vorstellungsrunde in einem und einzigen Schulungsraum ohne Elektrizität.

Kurzer Einschub: Bereits gestern habe ich über sogenannte CBO’s gesprochen. Auch die Landwirtschaftsschule ist sehr ähnlich organisiert und gehört zu einer Community. World Vision unterstützt diese mit dem zur Verfügungstellung von Finderlingen (für Fischproduktion), Kühen, Geissen und Schweinen (vermehren sich rasch und können zu einem guten Preis verkauft werden). Gleichzeitig werden Sie dann in dieser Schule geschult, damit diese auch prächtig gedeihen. Zudem stellt World Vision in Zusammenarbeit mit der Universität in Mymensingh, Setzlinge und Bäume (zum Beispiel Mango) zur Verfüung oder es werden neuartige Gemüse angepflanzt dieses Jahr zum Beispiel späte Tomaten. Es ist wichtig für eine ausgewogene Ernährung, dass noch eine breitere Vielfalt an Früchten und Gemüsen angeboten werden kann. Auch hier ist wieder das gleiche Prinzip. Schule einige Bauern und die geben ihr Wissen weiter und es funktioniert. Die Bauern, die dazu gehören möchten, zahlen wöchentlich einen kleinen Beitrag, können dafür aber von der Hilfe von World Vision profitieren. Die CBO gibt ihnen auch Kredite, damit diese neues Saatgut, Tiere etc. kaufen und ihre Produktion so vergrössern können.

Gonendra, der Schulleiter führt uns durch seinen ganzen Garten. Wir werden zwei Stunden bei bestimmt 35 Grad und starkem Sonnenschein unterwegs sein. Sie sind richtig stolz auf diese Arbeit – dürfen Sie auch. Zuerst zeigen sie uns wie sie Fische fangen, die Dank den Finderlingen entstanden sind. David versucht sich auch. Ausser zwei Fröschen beim zweiten Versuch. Diese werden hier aber nicht gegessen und dürfen wieder in den Weier. Sie zeigen uns dann den Versuch mit den spätreifen Tomaten, Ananasfelderf, Goatspflanzen (eine Art Kürbisse), Mangobäume, Zitronenbäume; Magnak und und und. Ich bin beeindruckt und sehe, dass das funktioniert. So können Bauern überleben und die Community profitiert auch davon.  Wir dürfen noch von vielen Früchten probieren und es gibt Kokosnuss-Saft dazu. Wirklich lecker – vor allem die Ananas. Für Euch liebe Bürogspändli ist auch noch was im Gepäck – mal was Gesundes für die Bande.

Anschliessend fahren wir zurück zum Office. Es gibt Lunch, packen, Verabschiedungszeremonie mit besten Wünschen beiderseits und los geht’s nach Dhaka. Viel Verkehr, ein Driver der absolut mehr ‚hupe’ als nicht und erst noch vergisst zu tanken. Da wir über einen Gastank verfügen, können wir eigentlich nur zwischen 9 und 17 Uhr tanken. Zum Glück war aber bereits 17.20… Diskussionen beginnen. Es heisst zuerst 15 Minuten warten, dann nochmals… Schliesslich bekommen wir das Gas, weil wir Ausländer sind. Sie wollen nicht, dass wir irgendwo stecken bleiben. Das wäre nicht gastfreundlich und zu gefährlich. Nochmals Glück gehabt. Schlussendlich kommen wir nach über 5 Stunden fahrt endlich im Hotel an. Gehen um 10 Uhr noch essen und können die Filmcrew auch noch begrüssen. Es gibt leider wieder schlechte News. Mehr dazu morgen.

Es war erneut ein spannender, heisser lernreicher, mit Power und Sonne gefüllten Tag. Morgen geht’s wieder in die Slums – diesmal von der Hauptstadt Dhaka. Habe ein etwas mulmiges Gefühl.

-> Fotos siehe Facebook.

Bangladesch Tag 4


Heute besuchten wir nochmals das ADP Mymensingh und wurden gleich wieder auf eine so herzliche Art und Weise empfangen – das ist unglaublich. Kinder tanzten, warfen Blumen. Die machten dies wirklich perfekt, mit einer Hingabe und Liebe, WOW!

Heute sehen wir einen Teil der Arbeit von World Vision zum Thema economic development (Wirtschaftsförderung). Das erste Projekt werden Jugendliche weitergebildet, damit sie Mobile Phones reparieren können und so eine Möglichkeit haben einen Job zu finden. Nokia ist in Bangladesch die Marke Nummer 1. Es ist spannend zuzusehen wie leidenschaftlich die Jugendliche bei der Arbeit sind. Sie staunen über das iPhone, können es aber gleich bedienen. Es ist ein reiner Männerkurs und als wir fragen, warum es keine Mädchen hat, geht ein Raunen durch die Menge. OK – wir haben verstanden.

Das zweite Projekt gleich nebenan ist ähnlich. Dort werden Mädchen zu Schneiderinnen ausgebildet. Man merkt ihnen an, sie lernen gerne. Sie wissen um was es geht und schätzen es sehr. Jährlich werden in solchen Projekten über 600 Jugendliche weitergebildet (in dieser Region).

Dann geht’s weiter über Stock und Stein. Wir besuchen die Community Char Selklana (auch Vimpara). In einem Projekt mit der örtlichen Universität wurde herausgefunden, dass die Red Chittagon Cattle Kühe doppelt soviel Milch erzeugen, wie die sonst hier üblichen Kühe und dass sie zudem pro Jahr mindestens einmal Nachkommen bekommen. Darum werden hier diese Kühe abgegeben. Nazemuddin (55) und Hamida (45) erzählen, dass sie vor 2 Jahren die erste Kuh erhalten hat. Jetzt sind es bereits mehrere und sie kann gut davon leben. Sie hat sogar einen Kredit bekommen und konnte ihr Haus renovieren. Ihre Augen glänzen. Wir bekommen dann Milch zum Probieren. Auch hier wieder. Die Gastfreundschaft ist einmalig und die Milch frisch ab Kuh mega fein und immer noch warm. Bei zwei Familien gibt es ein Projekt: Biogas-Gewinnung aus Kuhmist. Funktioniert perfekt und die Familie können mit dem Gas kochen. Stinkt zwar etwas draussen – aber es funktioniert wirklich. Das wurde nun bei zwei Familien umgesetzt und ist noch in der Testphase. Wir besuchen noch eine andere Familie. Die haben wirklich nichts ausser Kühe und ein Wellblech-Häuschen. Wir bekommen hier selbstgemachte Kekse und ein Tee mit frischer Kuhmilch. Mmmmmmmh. Sie haben so Freude die Leute – es ist unglaublich. Ob alt oder jung – es gibt keine Ausnahme. Sie möchten uns gleich dabehalten. Wir könnten auch hier schlafen. Aber wir wollen noch mehr sehen. Es sind wieder 100 Kühe bestellt, für eine andere Region. Das funktioniert echt. Gute Sache und langfristig.

Wir nehmen dieses Mal die Fähre über den Fluss. Na ja – Wasser im Boot und nicht so vertrauenswürdig, aber wir kommen gut an. Leider müssen wir uns dann von Xavier verabschieden. Er ist mir bereits ans Herz gewachsen. Dafür kommt der Programmverantwortliche aus der Schweiz: David Schwytter.

Wir besuchen dann zwei verschiedene CBOs (Community based Organisations). Reine Frauengemeinschaften. Funktionieren wie Genossenschaften. Du zahlst einen kleinen Beitrag und kannst an Schulungen, Workshops und Beratungen teilnehmen. Sie vergeben auch Kredite. Die Mitglieder arbeiten zuhause an handgemachten Produkten wie Taschen, Schals, Leintücher etc. Diese werden dann in Läden, Marktständen etc. verkauft. Der Erlös geht zum einen an die CBOs und an die Herstellerin. Diese CBOs vergrössern sich rasch und helfen so den Regionen sich weiterzuentwickeln. World Vision hilft mit bei der Beratung, beim Ausbilden von Leiterinnen, bei der Entwicklung von neuen Ideen, Leitung von Workshops, zu Verfügung stellen von Knowhow etc.

Schlussendlich besuchen wir noch einen Coiffeur-Salon für Frauen. Dieser wurde auch von World Vision unterstützt, braucht jetzt die Hilfe aber nicht mehr. 15 Frauen können gut Leben von den Einkünften.

Dann gibt’s noch eine Überraschung. David hat das Programm ohne uns gemacht. Jetzt heisst’s schnell ins Hotel, packen auschecken und ab ins Auto. Wir fahren ins ADP Jalchatra, wo wir schon längst erwartet werden. Wieder mit Blumen und Tanz. Dann gibt’s eine Culture-Show. Die Kinder präsentieren Tanz und Lieder. Allerliebst.

Sorry, ich bin etwas kurz angebunden. Ist schon 00:30. Wir hatten lange keine Internet-Verbindung. Bin müde. War ein langer Tag – wieder mit vielen, vielen Emotionen. Morgen geht’s weiter.

P.S.: Mit den Fotos will es heute nicht. Aber es hat ja schon einige auf Facebook…

Bangladesch Tag 3


Unpassenderweise zuerst die gute Nachricht vorne weg – nein es betrifft nicht die Wahlen in der Schweiz – wir haben endlich die Drehbewilligung erhalten und die Filmcrew kann nachreisen. Bis die kommen, sind wir schon halbe Einheimische. Aber wir freuen uns natürlich sehr.

Wir starteten den Tag im ADP (regionales Entwicklungsprojekt) Muktagacha. Wir wurden ganz herzlich von der World Vision Crew empfangen. Wirklich schön. Danke. Und auch ein Dank an Xavier, der extra noch schnell Kaffee organisiert hatte, da im Hotel der Kaffee ausgegangen war. Das war doch schon mal eine gute Tat. Wir wurden empfangen, als wären wir eine Hochzeitsgesellschaft. Es wurden Blumen gestreut und die Gesichter sprachen Bände. Wie so üblich hier, gab’s zuerst eine kurze Devotion und dann wurde die ganze Crew vorgestellt. Der ADP-Manager nutzte die Gunst der Stunde und hielt eine lange und langweilige Rede (sorry – war echt so). Jä nu. Dann konnte es endlich losgehen, nachdem wir noch verköstigt wurden. Wir werden immer mutiger. Mittlerweile essen wir auch Früchte, welche nicht geschält worden sind und noch mehr. Dazu später.

Als erstes besuchten wir eine PD hearth session. Mütter lernen, wie man mit dem einheimischen Gemüse für die Kinder ausgewogen kochen kann. Diese geben das dann weiter. Ist so eine Art Tupperware-System. Funktioniert prächtig. Jede Mutter bringt selber ein Gemüse mit. Dann wird zusammen gekocht. Wir dürfen mithelfen. Die Messer sind etwas ungewöhnlich und am Boden kochen auch.

Aber zuerst noch Händewaschen. Wir müssen Vorbilder sein. Das ist ein wichtiges Anliegen, das World Vision verbreitet. Für uns normal. Die Mütter haben richtig Freude. Es gibt Reis mit viel Gemüse. Es hat auch sonst noch viele Kinder hier. Die haben richtig viel Freude an uns. Wenn wir nicht kochen, spielen wir mit ihnen.

Das ist wohl wie Weihnachten. Wir kommen auch ins Gespräch und merken, wie wichtig solche Anlässe sind. Die Bevölkerung lernt gerne und ist sooooooooooooooooo dankbar. Es gibt ihnen auch ein besseres Selbstwertgefühl.

Was ja kommen musste. Wir dürfen selbstverständlich den Gemüsereis probieren. Er schmeckt vorzüglich. Auch wenn die Eier bei 30 Grad draussen rumgeliegen haben, scheint alles gut zu sein J. Dann gibt’s auch noch selbstgemachte Reiswaffeln in Kugelform. Mmmmmh. Fein. Sind die süss. Verabschiedung, Danke sagen nochmals mit Kindern spielen kurz, Winke, Winke und good bye. Wir haben bereits Verspätung. Ah übrigens: das Projekt ist super. Ich bin begeistert und es hat nachweislich Einfluss auf die Kinder. Dank der Umstellung nehmen sie verhältnismässig über 1 Kilo zu pro Monat.

Wir fahren zum nächsten Projekt Die Strassen werden schlechter und wir kommen nur noch langsam voran. Schüttelbecher wie in Nicaragua – aber nicht so schlimm. Dafür verspehrt uns ein Fuhrwagen den Weg. Wir helfen mit. Stossen und beraten. Nichts geht. Er hätte ja auch gleich noch hundert Bäume mehr draufladen können.

So verlieren wir noch mehr Zeit. Grrrrr. Dann wird gehandelt. Die zwei Ladies fahren mit zwei WV Mitarbeitern mit dem Töff mit und wir mal zu viert mit einer uralten Rickshaw. Wir helfen beim anfahren. Merken schnell das geht nicht. Dann quetschen wir uns – Andreas und ich – auf ein weiteres Motorrad. So fahren wir zu dritt rasant über Schlaglöcher… und kommen irgendwann dann doch noch an. Wir sind froh sind Sandy und Roshi auch da. Jetzt müssen wir noch auf den Rest warten. Die kommen dann auch noch irgendwann.

Wie wir da empfangen werden, ist unglaublich. Kinder haben die schönsten Kleider an, singen Lieder. Wir bekommen Blumen. Die Leute freuen sich so. Später erfahren wir auch warum. Das Dorf wurde noch nie von jemandem aus dem Ausland besucht. Die Leute sind unbeschreiblich dankbar. Sie erzählen uns was World Vision gemacht hat. Zusammen mit dem Goverment Brunnen gebaut – vorher hatten sie kein sauberes Trinkwasser – Bau von Latrinen mit Abfluss, Hilfe bei der Landwirtschaft und noch mehr. Es ist so eindrücklich. Wir spüren, dass Sie uns am liebsten umarmen möchten. Sie sind so dankbar. Dann gibt’s noch einen Snack. Wir probieren wieder alles. Es gibt verschiedenstes: Gebäck mit Curry (scharf), diverse Früchte, die ich noch nie gesehen habe, Kokosnussguetzli etc. Auch Trinkwasser vom Brunnen haben wir getrunken. Scheint wirklich rein zu sein. Gerne hätten wir noch mehr Zeit verbracht. Wir müssen retour.

Kurze Verpflegung und dann geht’s in ein Gesundheitszentrum. Hier können schwangere Frauen sich beraten lassen, bekommen Eisen und andere wichtige Medikamente wenn nötig und die Kinder werden geimpft. Wir staunen nur über die Kadenz und den Andrang. Schlangen von bis zu 10 Meter bilden sich. Die Stimmung ist wirklich gut. Wenn unsere Ärzte so effizient wären… Jede Woche findet diese Beratung statt und ist immer gut frequentiert. Das ist ganz wichtig. Wir bekommen noch Kaffee und Äpfel, nachdem wir uns wieder einmal vorgestellt haben. Dort hat es auch einen Übersichtsplan über alle Aktivitäten. Momentan sind es bestimmt über 100 verschiedene. Ich staune. Wow. Was wir bisher gesehen haben ist echt super. Ich freue mich schon auf morgen. Jetzt noch mehr nach dem guten Bescheid.

Bis bald. Wir sind alle gesund und tief beeindruckt.

Bangladesch Tag 2


Nach einem kleinen Frühstück geht’s richtig los. Ich kann euch jetzt schon erwarten, es war ein wirklich ereignisreicher Tag, einer der nicht so schnell vergessen geht. Aber schön der Reihe nach. Um 8 Uhr wurden wir abgeholt und ins Office gefahren, wo die HIV-Projekte betreut werden. Zuerst kurze Devotion, das gehört dazu, dann eine Information von Joyanta, was generell gemacht wird. Noch etwas theoretisch, aber doch spannend. Ein Problem ist zum Beispiel, dass 29% aller getesteter Blutproben mit Hepatitis verseucht sind – also bitte einfach kein Unfall. Was wird dagegen getan. Freiwilliges Blutspenden mit Tests vorher. Oder bei Start des Programms im 2004 nutzten nur 1% der Prostituierten regelmässig Kondome – jetzt sind es immerhin über 30%. Noch nicht viel – aber immerhin. Dann gibt’s bereits wieder eine kleine Verpflegung.

 

Dann geht’s ab in die Slums. Was uns erwartet ist wirklich schlimm, ganz schlimm. Ich bin total überfordert und realisiere es erst gar nicht recht. Wir treffen Mädchen, welche an einer Orientation über HIV/Aids teilgenommen haben.  Ich rede mit Swapna. Sie ist 20. Hat die Schule abgebrochen, weil Mutter und Bruder arbeiten. Jemand muss das Zimmer bewachen. Keine Türe, max. 2x2m – hier leben alle. 1 Bett, 1 kleines ‚Regal’, die Wände mit Papier verkleidet (Isolation). An der Decke hängt eine Weltkarte – eigentlich wegen der Hitze. Könnte auch etwas anderes darauf haben. Ist ihr die Bedeutung bewusst? Irgendwo ist Bangladesch darauf. Ok. Auf die Frage nach ihren grössten Wünschen, entgegnet sie ganz einfach, dass die Familie gesund bleibt – kein Haus, kein Auto – einfach Gesundheit. Sie ist so froh, konnte sie am Kurs teilnehmen. Sie wusste nichts von HIV. Es geht aber hauptsächlich nicht darum, sondern dass jemand für sie da war. Sie hat ein Funkeln in den Augen, Zuversicht. Unglaublich. Es gibt ihr Selbstvertrauen. Sie und andere Mädchen können auch an Handarbeitskursen teilnehmen. Swapna lernt nähen, andere stellen Handtaschen her. Es gibt ihnen Hoffnung, dass sie mal einen Job bekommen. Ich bin tief berührt. Sie haben nichts ausser ein paar Bücher und sind so glücklich und zuversichtlich.

 

Wir sind die Attraktion von überall her kommen Kinder und Erwachsene. Sie fühlen sich geehrt, dass wir ausgerechnet hier sind. Alle haben Freude. Wir dürfen alle die Hände schütteln (und desinfizieren uns dann die Hände im Auto). Anschliessend besuchen wir noch eine andere Familie. OK, etwas grösser – maximal 4x2m – aber dafür mit Verkaufsladen (so eine Art take away). Die Familie schläft zu fünft in kleinen Raum (keine 4m2). Die Tochter fertigt schöne Taschen. Sie kosten maximal CHF 5.00 (die grossen). Andreas macht ein Video. Sie kann die Taschen schon richtig gut anpreisen. Mit Erfolg.

 

Wenn wir weg sind und zur nächsten Familie fahren, werde ich mir erst bewusst, was ich gesehen habe. Krass, ich kann es nicht in Worte fassen. Tief traurig und auch erzürnt, dass von Seite Staat auch nicht mehr gemacht wird. Ich verstehe es nicht.

 

Bei der nächsten Familie habe ich mühe dem Gespräch zu folgen. Die Gedanken sind an einem anderen Ort, obwohl es dieser Familie gut geht. Das 1-Zimmer-Haus von der Grossmutter geerbt, grosszügige 30m2 für 4 Personen mit TV. Von 10 bis 15 Uhr Treffpunkt für das Quartier – auch für HIV-Schulungen. Es wird geteilt. Wir sehen auch noch eine Schule/Kindergarten, welcher von World Vision betreut wird – wirklich gut. Dann geht’s zur nächsten Familie. Saiful, der Familien-Vater ist HIV-positiv, hat 3 Kinder und lebt ähnlich wie alle anderen – erbärmlich. Sind sind aber so zufrieden und Zuversichtlich. Er ist Rickshaw-Fahrer, trampt also jeden Tag seit über 15 Jahren 8 bis 9 Stunden (wirklich täglich, ausser wenn er krank ist) und verdient so, wenn’s gut geht CHF 4.00 pro Tag. Da bleibt nicht viel übrig. Er ist einer ‚Trainer’. Er leitet Workshops zum Thema HIV. Wir sind wirklich überall herzlich willkommen. Das imponiert mir. Aber die Lebenssituation von so vielen Tausenden. Brutal.

 

Am Nachmittag besuchen wir eine gute besuchte Quizshow. Zuerst wird ein Film über die HIV-Aids Prävention gezeigt. Anschliessend die Fragen. Die Top 3 Antworten bekommen ein kleines Geschenk. Ein Teller oder eine Tasse mit dem HIV/Aids Logo. Das sind wie Status-Symbole. Dem Sieger darf ich dann sogar den Preis überreichen.

 

Ich hab mich definitiv wieder gefangen. Das schönste kommt noch. Wir besuchen einen Child friendly Space. Mindestens 20 Kinder empfangen uns. Da kommt Liebe entgegen. Das ist unglaublich. Singen, klatschen – aber ihr kennt die Geschichte nicht. Die kommen zu uns tagsüber, weil die Mütter anschaffen gehen. Wahnsinn! Aber was würden die ohne diese Dienstleistung machen?

Wir besuchen dann noch das Bordell. Also eigentlich Repperbahn light. Abgetrennt vom Rest, eine ganz andere Welt. Drogen, Alkohol und Prostitution auf ca. 100 Metern. Wow. Ein ganz anderes Bild. Krass, die jungen Mädchen und Typen, die voll high sind.

Jetzt ist echt genug. Wir gehen zurück und sortieren unsere Gedanken. Was soll ich denken? Ein Lichtblick in der Dunkelheit? Die Zuversicht bei diesen Verhältnissen? Keine Ahnung.